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 Erwachsene vernachlässigen häufig ihren Impfschutz.

 

Für Säuglinge und Kinder sind Impfungen selbstverständlich. Anders für Erwachsene: Sie vernachlässigen häufig ihren Impfschutz, so die Beobachtung von Ärzten und Krankenkassen. Dabei wird das Immunsystem mit zunehmendem Alter schwächer, die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab. Schutzimpfungen können den Körper hier wesentlich unterstützen. Da es in Deutschland keine Impfpflicht gibt, muss jeder seinen Impfstatus selbst im Blick haben.

Entscheidungshilfen sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin. Sie sind auch Grundlage der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (http://www.g-ba.de/). Diese legt fest, wann gesetzlich Versicherte Anspruch auf Leistungen für bestimmte Schutzimpfungen haben.

Für jeden Erwachsenen gilt: "Die Standardimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus sollten alle zehn Jahre aufgefrischt werden", erklärt Annette Nahnhauer, Spezialistin für Impffragen im BKK-Bundesverband in Essen. Hierfür gibt es einen Kombinationsimpfstoff.

Die anderen Kinder-Standardimpfungen müssen im Erwachsenenalter nicht mehr aufgefrischt werden, wenn eine ausreichende Grundimmunisierung besteht. Das gilt auch für Kinderlähmung (Polio). "Die Weltgesundheitsorganisation hat Europa, Australien und Gesamtamerika kinderlähmungsfrei erklärt, so dass hier keine Ansteckungsgefahr besteht", erläutert der stellvertretende STIKO-Vorsitzende Jan Leidel. Allerdings gibt es immer noch Polio in Afrika und Asien. "Um zu vermeiden, dass die Krankheit von dort wieder eingeschleppt wird, wird vor Reisen in diese Länder weiterhin gegen Polio geimpft."

Einen Sonderfall stellt Keuchhusten dar: "Keuchhusten ist extrem gefährlich für Säuglinge", warnt Leidel. "Deshalb sollten deren wichtigste Ansteckungsquellen geimpft sein." Frauen mit Kinderwunsch, aber auch werdende Väter, ältere Kinder von Schwangeren sowie Erzieherinnen sollten deshalb Keuchhusten mit im Blick haben. Es gibt aber keinen alleinigen Impfstoff gegen Keuchhusten, sondern nur eine Kombination mit Tetanus und Diphtherie. Schwierig wird es beispielsweise dann, wenn eine Frau sich ein Kind wünscht und vor kurzem erst turnusmäßig ihren Schutz gegen Tetanus und Diphtherie aufgefrischt hat.

Neben den Auffrischungen kommen im Alter zwei neue Standardimpfungen hinzu: "Gesunde über 60-Jährige sollten sich einmalig gegen Pneumokokken impfen lassen. Nur wenn besondere Indikationen wie chronisches Asthma oder Diabetes vorliegen, ist eine Auffrischung nach sechs Jahren notwendig", sagt BKK-Spezialistin Nahnhauer. Daneben sollten sich über 60-Jährige gegen Influenza impfen lassen. Die jährliche Auffrischung ist notwendig, weil die Art des Erregers und damit der Impfstoff jedes Jahr wechseln. Sowohl Pneumokokken als auch Grippeviren können im Alter schwere Atemwegserkrankungen, zum Beispiel Lungenentzündung, hervorrufen.

Bei bestimmten Indikationen sind weitere Impfungen angeraten: Wer etwa an einem Nierenleiden erkrankt ist, sollte gegen Hepatitis geschützt sein. Frauen mit Kinderwunsch brauchen Schutz vor Röteln und Windpocken. Herz-Kreislauf-Kranke sollten schon vor dem 60. Lebensjahr gegen Pneumokokken und Influenza geimpft sein. "Die Pflicht, hierüber zu informieren, liegt hauptsächlich beim behandelnden Arzt", sagt STIKO-Mitglied Leidel. "Für Personen, die durch ihren Beruf bedingt besondere Impfungen benötigen, sind die arbeitsmedizinischen Betreuer zuständig."

Für viele Auslandsreisen empfehlen Mediziner Impfungen, zum Beispiel gegen Typhus. "Solche Impfungen sollten etwa drei Monate vor Reiseantritt in Angriff genommen werden", rät Diethard Sturm, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes in Köln. Wenn es um private Reisen geht, haben Kassenpatienten keinen Anspruch auf Kostenübernahme. Allerdings gewähren immer mehr Kassen Reiseimpfungen als freiwillige Leistungen.

Die Impfempfehlungen der STIKO können sich ändern, genau wie die vorgesehenen Zeitabstände. Der Impfpass aus Kindheitstagen und der darin enthaltene Impfkalender reichen also als Orientierung nicht aus. Dennoch sollte er sorgsam gehütet werden. "Wir haben viele Patienten, die ihren Impfpass verlegt oder verloren haben", sagt Sturm. "Dann können wir nicht mehr nachvollziehen, ob eine ausreichende Grundimmunisierung durchgeführt wurde." Also wird immer wieder neu geimpft. Das belastet den Körper und birgt bei Wiederholungen in kurzen Zeitabständen die Gefahr der Überimpfung.

Impfungen gelten heute als weitgehend gut verträglich: "Es kann höchstens mal eine Abwehrreaktion entstehen. Bei Tetanus ist dies relativ häufig. Außerdem gibt es ab und zu Allergien auf Begleitstoff", sagt Sturm. Oft drückt der betroffene Arm ein bis zwei Tage. Das macht sich weniger bemerkbar, wenn nicht der Hauptbelastungsarm für den Einstich ausgewählt wird.

 

Quelle: dpa
 
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