Nur die Hälfte der deutschen Bundesländer hat ausreichend Grippeimpfstoff eingelagert. PDF  | Drucken |  E-Mail

Nur die Hälfte der deutschen Bundesländer hat ausreichend Grippeimpfstoff eingelagert.

Nur knapp die Hälfte der Bundesländer hat bisher ausreichend für eine mögliche, besonders gefährliche Grippe- Epidemie vorgesorgt. Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Frankfurt/Main ergab, dass sieben Bundesländer Medikamente einlagern, die nur für 11 bis 14 Prozent der Bevölkerung reichen. Die Gesundheitsminister hatten aber vereinbart, für 20 Prozent vorzusorgen. Dann "muss die Frage erlaubt sein, wie die betroffene Bevölkerung im Pandemiefall ausreichend mit Medikamenten versorgt werden soll", sagte Professor Dieter Köhler, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft. Als Pandemie wird eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit bezeichnet.

Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig- Holstein und Niedersachsen haben nach Angaben der Lungenärzte nur Vorräte für 11 bis 12 Prozent der Bevölkerung. Baden-Württemberg hat Medikamente für 14 Prozent gehortet. Die übrigen Länder halten Arzneimittel für 20 Prozent entsprechend der Empfehlung des Robert- Koch-Instituts vor, Nordrhein-Westfalen als einziges Land für 30 Prozent. Die Pneumologen kritisierten, dass die Medikamente nach dem jüngsten Nationalen Pandemie-Plan nur für Erkrankte eingesetzt werden sollten, nicht auch für Ärzte oder Sicherheitskräfte.

Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich 2006 angesichts des Ausbruchs der Vogelgrippe darauf verständigt, sukzessive für 20 Prozent der Bevölkerung Medikamente wie Tamiflu und Relenza einzulagern. Ein Teil der Vorräte ist Pulver, das erst zubereitet werden muss.

Bisher ist keine Infektionskette des Vogelgrippevirus H5N1 zum Menschen bekannt. Forscher befürchten aber, dass sich das Virus zu einem auch für Menschen hochansteckenden Erreger entwickeln könnte, der eine weltweite Grippe-Epidemie auslöst. Die Medikamente sind zur Überbrückung gedacht, bis ein Impfstoff vorliegt.

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Baden- Württembergs Ressortchefin Monika Stolz (CDU), warnte vor Panikmache. Angesichts zusätzlicher Vorräte von Firmen, Kliniken und Versorgungsunternehmen sei davon auszugehen, dass Erkrankte im Ernstfall versorgt werden könnten. Die Verhandlungen von Bund und Ländern mit Impfstoffherstellern für die Produktion eines Impfstoffs stünden außerdem kurz vor einem Abschluss.

Der FDP-Verbraucherpolitiker Hans-Michael Goldmann, der ähnliche Zahlen veröffentlicht hatte, warf Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) vor, sie spielten leichtsinnig mit der Gesundheit der Menschen.

 

 Quelle: dpa
 
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